Dienstag, 19. September 2017

Herbstliche Sterne

Die goldbraune Cordjacke, die ich dem Jungen vor zwei Jahren genäht habe, wird immer noch heiß geliebt, auch, wenn sie ihm mittlerweile eindeutig zu klein ist und die Ärmel knapp unter den Ellenbogen enden. Einmal hat er die Jacke nach dem Zubettgehen heimlich über dem Schlafanzug angezogen, die Kapuze aufgesetzt, sich eingekuschelt und ist so glücklich eingeschlafen.

Es war Zeit für eine neue Herbstjacke nach dem selben Schnitt. "Hopping Magpie" aus der Ottobre 4/2014 geht allerdings nur bis Größe 128 - die Größe 134 habe ich mir deshalb selbst zusammengebastelt. Anders als beim Original gibt es bei diesem Modell keine Teilung und keine aufgesetzten Taschen. Stattdessen habe ich seitliche Nahttaschen vorgesehen.

Der dunkelblaue Sternenstoff ist ein Softshell von Stoffe Werning aus Herford, einem netten und gut ausgestatteten Laden in meiner Heimatstadt. Zum ersten Mal habe ich die Schulter- und Kapuzennähte mit einem aufbügelbarem Abdichtband von Extremtextil versiegelt, damit die Jacke wasserfester wird. Ob das etwas bringt, wird sich zeigen.

Gefüttert ist die Jacke mit einem weichen grasgrünen Fleece, und damit der Junge in der dunklen Jahreszeit gut sichtbar ist, gibt es wieder einmal Details aus reflektierendem Material: neben leuchtenden Bändern auf den Ärmeln, einem Streifen auf der Kapuze und einem unter meinem bimbambuki-Label habe ich die Umrisse eines Sterns aus Reflektorfolie aufgenäht.


Montag, 18. September 2017

Blaugedrucktes aus dem Briefkasten

Die Sommerpost 2017 ist vorbei, aber ich möchte Euch unbedingt noch zeigen, was ich für wunderschöne Drucke von den anderen Teilnehmerinnen meiner Gruppe bekommen habe. Von links oben nach rechts unten:

Feingeschwungene Ranken und Sternchen von Liliane [ohne Blog],
Strichblumen mit Masking-Tape-Rand von Michaela von Müllerin Art
Fliesenbruchstücke von Carola von nuuudldickedirn
halbtransparente Blätter von Sabrina von SMALL CAPS,
ein florales Gittermuster von Stefanie von Steffi's Art Blog
ein Extradruck aus Potsdam von Anke (lieben Dank für den Tausch!)
ein Vogel mit Riesenblumen von Heidi von Mein Sonnentagebuch,
Fliegende Kraniche von Lisa von strohzugold.
Das letzte ist mein eigener Blätter- und Gräserdruck

Herzlichen Dank für Eure Drucke, ich habe mich über jeden einzelnen gefreut und gestaunt...

Alle Sommerpostbeiträge findet Ihr auf dem Post Kunst Werk Blog.

Freitag, 15. September 2017

Freitags | Rebus #144

Jeden Freitag suchen wir hier ein Buch, einen Film, ein Lied, einen Ort, einen Gegenstand, eine Person oder ein Tier, versteckt in einem oder mehreren Bildern. Wer gerne rät, ist herzlich dazu eingeladen. Eure Kommentare bleiben verdeckt und werden gegen Abend veröffentlicht. Unter allen richtigen Antworten verlose ich ein virtuelles Bienchen - und wer drei Bienchen gesammelt hat, bekommt von mir eine kleine Überraschung per Post. 

Heute wird der Name eines über hundert Jahre alten Romans gesucht, geschrieben von einer Schriftstellerin, die damals nur unter männlichem Pseudonym veröffentlichen durfte.

Dienstag, 12. September 2017

12 von 12 im September

Es ist Dienstag, der 12. September, und wie an fast jedem 12. des Monats gibt es hier wieder 12 Bilder des Tages. An diesem eher frühherbstlichen als spätsommerlichen Tag in St. Petersburg stellen wir um zwanzig vor sieben fest: Diese Kinder können heute nicht zur Schule gehen, sie sind verschnupft und heiß und husten.

Der Mann geht aus dem Haus, wir drei bleiben daheim. Um die Kinder ein bißchen zu verwöhnen, mache ich ihnen zum Frühstück Pfannkuchen mit Blaubeermarmelade. Als der Junge in die Küche kommt, ruft er erfreut: "Oh, Blini!" (So heißen sie hier in Russland). Nachdem beide drei Pfannkuchen verdrückt haben, wird eine Weile ruhig gespielt.

Die Pläne für heute sind mehr oder weniger im Eimer, also nutze ich die Gelegenheit und kümmere mich stattdessen mit mäßiger Begeisterung um den Haushalt. Vier Betten werden abgezogen, vier Waschmaschinenladungen gewaschen, vier Sommer- gegen Winterdecken getauscht.

Eigentlich würde ich ja gerne ein bißchen an meinem derzeitigen Projekt weitersticheln, aber vernünftigerweise flicke ich stattdessen das Duschhandtuch des Mannes, in dessen Mitte ein Riesenloch gähnt (was hat er damit angestellt? Einmal durchgetreten?), trenne die abgerissenen Aufhänger ab und nähe neue Schlaufen an.

Wenn eine Waschmaschinenladung fertig ist, fülle ich die Maschine mit der nächsten. Die Kinder spielen unten Kaufmannsladen. Ich höre Sting, ziehe Betten ab und putze das Bad. Meine Lieblingsbeschäftigung: Die Zahnpastaflecken vom großen Badezimmerspiegel abkratzen.

Um die Mittagszeit habe ich zum ersten Mal nach der Sommerpause wieder Russischunterricht. Den Kindern geht es schon viel besser, so dass sie ein Stündchen allein zu Hause bleiben können. Auf der Straße erfreue ich mich an einem frisch gelb gestrichenen Blindfenster.

Nach dem Unterricht mache ich mich schnell wieder auf den Weg nach Hause. Es ist ein seltsames Wetter - grau und drückend, fast schwül. Zum Kopfschmerzen kriegen. Ich knöpfe die Jacke auf und beeile mich. Trotz Grau leuchten die Auslagen der Obst- und Gemüsekioske so schön.

Auf dem Rückweg kaufe ich beim Bäcker um die Ecke rasch noch etwas fürs Mittagessen ein: пирошки с курицей и морковью (Piroschki mit Hähnchen und Möhren) und für den Jungen Сосиски в тесте (Würstchen im Teigmantel). Heute habe ich keine Lust zu kochen, ich mache nur einen schnellen Gurkensalat dazu.

Zu Hause essen wir zusammen. Danach mache ich ein paar Fotoexperimente: Ich halte eine weiße Plastiktüte vor den Blitz, um ihn etwas abzumildern (was nicht gut funktioniert, ich werde es mal mit einem aufgeblasenen weißen Luftballon probieren), und fotografiere durch den Boden meines Wasserglases.

Am Nachmittag soll es eigentlich gewittern, aber es bleibt trocken. Immerhin ist es in der Wohnung nicht so drückend wie draußen. Die Kinder räumen die Spülmaschine aus. Ich trinke einen Kaffee und beziehe die Betten neu. Heute ist wirklich kein besonders aufregender Tag...

Als nichts weiter zu tun ist, mache ich es mir mit den Kindern auf dem Sofa gemütlich. Wir knabbern Chips und Mandeln und gucken "Ocean's 13", wie ich es ihnen am Vormittag versprochen hatte. Nebenbei sticke ich ein bißchen an meinem Projekt weiter. Das ist eine schön entspannende Beschäftigung.

Nach dem Film liest mir der Junge, unterm Wohnzimmertisch liegend, aus einem Buch vor. Der Mann kommt nach Hause, es gibt Abendessen, die Kinder werden ins Bett gebracht. Morgen können sie sicher wieder zur Schule gehen. Und ich freu mich jetzt auf ein Glas Wein und ein paar Folgen "New Girl".

Die 12 von 12 werden wie immer bei Caro gesammlt. Und was habt Ihr heute gemacht?

12 von 12 im September 2016
12 von 12 im September 2015
12 von 12 im September 2014
12 von 12 im September 2013
12 von 12 im September 2012

Montag, 11. September 2017

Mit der Sonne gedruckt

Wer hier schon länger liest, weiß, dass ich mit großem Vergnügen an den Mail Art Aktionen von Michaela und Tabea teilnehme, die dreimal im Jahr - im Frühling, im Sommer und in der Adventszeit - stattfinden. In den letzten Jahren musste ich allerdings aus Zeitgründen bei den Sommerpostaktionen passen, aber das kam dieses Mal nicht in Frage. Denn das Thema lautete Sonnendruck in Blau. Die acht Teilnehmerinnen jeder Gruppe bedruckten acht 25x25 cm große Stücke Baumwollstoff, von denen sieben an die Anderen verschickt und eins behalten wurde. Das konnte ich mir nicht entgehen lassen.

Man konnte mit Cyanotypie arbeiten oder mit Inkodye, einer lichtempfindlichen Farbe. Ich habe mich für den sogenannten Sonnendruck entschieden, ein faszinierendes Verfahren, bei dem der Stoff mit verdünnter Stoffmalfarbe bestrichen und mit den Druckmotiven belegt wird, deren Umrisse, während der Stoff trocknet, aufgrund der Wanderung der Farbpigmente zu den freien Stellen abgebildet werden. Ich habe an einem herrlich heißen Sommertag im Garten meiner Eltern gedruckt - optimale Bedingungen für diese Technik.

Die Stoffstücke wurden angefeuchtet und mit Hilfe eines breiten Pinsels mit verdünnter blauer Stoffmalfarbe bestrichen. Meine Tochter rannte währenddessen im Garten umher und sammelte Material. Die unterschiedlichen Farne, Blätter und Gräser wurden aufgelegt und leicht angedrückt. Bei meinem ersten Versuch hatte ich eine Glasplatte als Abdeckung benutzt, unter der sich jedoch Tropfen bildeten und der Stoff nur langsam trocknete. Dieses Mal war es windstill, so dass ich darauf verzichten konnte.



Mittlerweile haben meine Drucke die anderen Sommerpostlerinnen meiner Gruppe hoffentlich gut erreicht. Was ich Schönes von Lisa, Sabrina, Heidi, Carola, Michaela, Liliane und Stefanie bekommen habe, zeige ich Euch demnächst, und die Beiträge aller Teilnehmerinnen findet Ihr auf dem Post Kunst Werk Blog.

Freitag, 8. September 2017

Freitags | Rebus #143

Jeden Freitag suchen wir hier ein Buch, einen Film, ein Lied, einen Ort, einen Gegenstand, eine Person oder ein Tier, versteckt in einem oder mehreren Bildern. Wer gerne rät, ist herzlich dazu eingeladen. Eure Kommentare bleiben verdeckt und werden gegen Abend veröffentlicht. Unter allen richtigen Antworten verlose ich ein virtuelles Bienchen - und wer drei Bienchen gesammelt hat, bekommt von mir eine kleine Überraschung per Post. 

Heute wird der Name eines männlichen Filmcharakters gesucht, den mein 6-jähriger Sohn so lustig und cool findet, dass er ihn seinen Freund nennt. Das zweite Bild bitte auf deutsch enträtseln!

Donnerstag, 7. September 2017

Zum neuen Schuljahr

Zum Beginn des neuen Schuljahrs bekommt das Mädchen immer ein neues Kleid. Den Schnitt dafür kann sie selbst bestimmen. Dieses Jahr stand schnell fest: Es wird wieder ein Curly Print aus der Ottobre 06/2013, dieses Mal in Größe 140. Auch den Stoff hat das Mädchen selbst ausgesucht, einen feinen schwarz-weiß gemusterten Baumwolljersey, den wir aus Berlin mitgebracht haben.

Ich hatte völlig vergessen, wie aufwendig der Schnitt ist, wenn man ihn genau nach Anleitung näht. Es gibt viele Schnittteile, die man sowohl aus dem Außen- als auch aus dem Futterstoff zuschneiden muss, und dann ist da das Verstärken von Kanten und das Einkräuseln und der verdeckte Reißverschluss...

Im Nachhinein ging mir auf, dass ich auf die Wiener Nähte natürlich getrost hätte verzichten können. Bei einem derart wild gemusterten Stoff (der zudem noch dehnbar ist) sieht sie kein Mensch...

Montag, 4. September 2017

Inspiriert von Marimekko

Manchmal verguckt man sich doch in ein Kleidungsstück. Mir ist das vor einer Weile mit dem Kipale Circle Dress von Marimekko geschehen. Die Liebe war so groß, dass ich sogar recherchiert habe, ob ich es irgendwo kaufen kann, aber zum einen lag der Preis bei ungefähr 400 Dollar (wieviel Stoff man dafür bekommt!) und zum zweiten war das Kleid ausverkauft.

Als Selbermacher sind solche Voraussetzungen bestes Futter für Tagträumereien. Und wenn ich es mir selber nähe? Laut Beschreibung besteht das Marimekko-Kleid aus Woven cotton; polyester, viscose lining. Aber mir wurde schnell klar, dass ich es unmöglich schaffen würde, einen unifarbenen Stoff für das Kleid in derart vielen leuchtenden Farben zu bedrucken.

Der nächste Gedanke war: Patchwork! Wobei ein gepatchtes Kleidungsstück absolut gruselig sein kann, das war mir klar (ich erinnere mich an eine wilde Hose, die ich mit Anfang 20 zusammengestückelt und glücklicherweise nie getragen habe). Mir war auch klar, dass ich all die verschiedenen benötigten Farben sicher nicht aus weich fließendem Stoff wie Viskose bekommen würde sondern höchstens aus dem klassischen Patchworkmaterial Baumwolle. So war es dann auch.

So ist der momentane Stand: Kein Kleid, weil das Material zu fest dafür wäre, sondern eine Jacke. Das Muster entspricht nicht 1:1 dem Vorbild, sondern erinnert nur daran. Die einzelnen Teile werden ausgeschnitten, um die Papierschablonen geheftet und von Hand zusammengenäht. Wie der Bereich um den Kragen aussehen wird und ob das Muster auch auf der Rückseite oder den Ärmeln weiter gehen soll, ist mir noch völlig schleierhaft. Ich warte ab, wie es sich entwickelt. 

Zur Not kann ich immer noch ein Patchworkkissen daraus machen...

Freitag, 1. September 2017

Freitags | Rebus #142


Jeden Freitag suchen wir hier ein Buch, einen Film, ein Lied, einen Ort, einen Gegenstand, eine Person oder ein Tier, versteckt in einem oder mehreren Bildern. Wer gerne rät, ist herzlich dazu eingeladen. Eure Kommentare bleiben verdeckt und werden gegen Abend veröffentlicht. Unter allen richtigen Antworten verlose ich ein virtuelles Bienchen - und wer drei Bienchen gesammelt hat, bekommt von mir eine kleine Überraschung per Post. 

Heute suchen wir einen Song, der mir neulich bei Spotify wieder über den Weg lief und ein wahres Feuerwerk von Erinnerungsflashbacks auslöste. Als ich ihn zum ersten Mal hörte, war ich noch etliche Jahre jünger als das Alter, mit dem dieser Song beginnt; als ich ihn irgendwann wiederfand, war ich genauso alt - und jetzt schaue ich von der anderen Seite darauf zurück, schon deutlich davon entfernt...